Ich war so glücklich, hatte das Gefühl alles haben zu
können. Jeden. Doch dann kam der Selbstzweifel. Bin ich hübsch, lustig, schlau
genug? Und selbst wenn du all das in mir sehen könntest, kann ich es? Da ist
immer diese Stimme in meinem Kopf, die leise flüstert, wispert und mich nicht
zufrieden sein lässt. Ich hatte beschlossen nicht mehr so abhängig zu sein.
Mein Glücklichsein nur von mir abhängig zu machen. Jungs Jungs sein zu lassen.
Es nicht zu ernst zu nehmen. Dann kommt er. Ich hatte die ganze Zeit die
Überhand, die Kontrolle. Und jetzt schaut mich an, ich mache mich ganz verrückt
nur weil er mir nicht schreibt. Sich nicht meldet. Die Stimme sagt, selbst
schuld bist du. Hast es nicht anders verdient. Ich wünschte ich könnte naiver
sein, daran glauben, dass du nur viel zu tun hast. Aber das kann ich nicht. Die
Stimme flüstert, warum sollte er auch, du bist verkorst, langweilig, nicht
lustig, nicht mal interessant und sicher nicht schlau genug. Du denkst du
kannst alles, aber eigentlich kannst du nichts, wispert sie leise aber doch
unüberhörbar.
Warum kann ich nicht zufrieden sein, positiv? Dieser Hang
zur Melodramatik, muss der sein?
Warum tue ich mir selbst so leid, dass ist das aller
schlimmste. Bestimmt ist gar nichts. So toll ist er doch eigentlich gar nicht.
Aber immer gerade dann, wenn ich mir ein Herz gefasst habe, anfange mich zu
öffnen, genau dann passiert es immer wieder. Der Knacks wird tiefer, immer
schwieriger eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die anscheinend dazu verdammt
ist niemals fertig zu werden. Eine Brücke, die immer einbricht sobald man sich
überwindet einen Fuß darauf zu setzten. Und dann falle ich mit den Steinen in
die Tiefe. Ich falle und falle, versuche mich zu halten. Klettere aus den
Trümmern. Sie sagen, was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Aber
eigentlich macht es dich nur misstrauischer. Der Zweifel wächst, der Zweifel an
meiner eigenen Entscheidungsfähigkeit. Der Zweifel an mir.